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S 8 agile technik „Chancen für Entfaltung und Wachstum nutzen“ Ganz so revolutionär und neu, wie manche meinen, ist Industrie 4.0 nun doch nicht. „Digitalisierung und Vernetzung gibt es schon länger in der Automatisierung“, sagt Klaus Bütow. Es gibt vor allem zwei Sichten: die der großen Unternehmen auf der einen und die der kleinen und mittleren auf der anderen Seite, findet der CEO der Mattke AG aus Freiburg. Dazwischen bleibt viel Spielraum für Chancen, Risiken und Nebenwirkungen. Wie positioniert sich Ihr Unternehmen in den Prozessen der Digitalisierung und Vernetzung, die Industrie 4.0 charakterisieren? Ist Industrie 4.0 ein relevantes Thema für Sie? Klaus Bütow: Die Mattke AG ist seit über 50 Jahren in der Automatisierung, insbesondere Servoantriebstechnik, tätig. Anders als beim IoT ist die Digitalisierung und Vernetzung in der Automatisierungsbranche schon seit vielen Jahren gebräuchlich und nichts Besonderes. Gerade wenn man Produktionsstraßen mit verketteten Stationen beziehungsweise unterschiedlichen Bearbeitungszentren, Be- und Entladeeinrichtungen, automatische Verpackungslinien etc. betrachtet, wird einem klar, dass es sich hier nicht um einen revolutionären Gedanken handelt. Natürlich hat gerade die in letzter Zeit rasant zunehmende Entwicklung im Bereich der Sensorik einen großen Einfluss auf die Erfassung, Verarbeitung und Meldung von Daten und diese wiederum auf adaptive Prozesse zur Qualitätsverbesserung. Die Möglichkeiten, riesige Datenmengen zu transportieren und zu speichern sind immer bequemer und kostengünstiger geworden – viele technische Neuerungen der letzten Jahre begünstigen die Ausrichtung zum propagierten Ziel Industrie 4.0. Aber mit der totalen Überwachung der Maschinen und Produktionseinrichtungen, der Speicherung von sensiblen Daten – womöglich in der Cloud, damit sie ständig und überall abrufbar sind – gehen auch erhebliche Risiken einher, die oft genug in der Euphorie um das goldene Kalb glattgebügelt werden. Im Industrie 4.0-Hype geben die Großen den Ton an. Wie kommt ein kleines und mittleres Unternehmen damit zurecht? Wie bereits gesagt, etwas wirklich Neues ist der Gedanke nicht, aber natürlich wird er marketingtechnisch weiter ausgeschlachtet, weiterentwickelt und auch zunehmend standardisiert. Das können die Großen besonders gut, denn wer sitzt wohl in den Ausschüssen und Gremien, wer hat den Durchgriff auf Hochschulen und Politik? Das sind immer die gleichen Verdächtigen … Welche Claims können KMUs hier besetzen? Die Kleineren waren durch ihre Kreativität und Flexibilität schon immer den Großen eine Nasenlänge voraus. Diesen blieb dann oft nichts anderes übrig, als den Geldbeutel aufzumachen und den Störenfried zu schlucken. Aber auf der Bugwelle der Großen reiten, dabei eigene Märkte erkennen und eigene Lösungen anbieten, sind für jeden auch Chancen für Entfaltung und Wachstum. Was hat ein Servomotor oder ein -regler mit Industrie 4.0 zu tun? Welche Ihrer Produkte und Lösungen haben die größte Affinität zu der vernetzten und digitalisierten Produktion? Servoantriebe werden seit Jahren auch immer smarter. Gerade im Bereich der dezentralen Antriebstechnik ist ja die digitale Intelligenz bereits ganz dicht an der Motorachse. Ein Großteil der Steuerungsaufgaben – und dazu gehört die Vernetzung über entsprechende Feldbussysteme – ist im Servoregler untergebracht. Oft schon inklusive Sicherheitstechnik. Bei komplexeren Systemen werden Steuerungen übergeordnet, die wiederum ihrerseits mit anderen Systemen über Intranet oder Internet kommunizieren. Viele unserer Produkte haben diese Features, und für Mattke ist das seit langem das tägliche Brot. Ob Predictive Maintanance, sich selbst steuernde und selbst konfigurierende Anlagen, Produktion ab Losgröße 1 – es gibt viele Schlagwörter zur vierten industriellen (R)evolution. Wo sehen Sie sich hier? Mittendrin. Wie gesagt, für die Automatisierungsbranche, in der wir tätig sind, ist weder der Gedanke 4.0 noch die zugrunde liegende Technik wirklich neu. Technik entwickelt und erneuert sich zwangsläufig. Was neu ist, ist die Vermarktung und die strategische Ausrichtung und diese muss vor allem softwaremäßig umgesetzt werden. Wo stehen Ihre Kunden in Sachen Industrie  4.0? Das hängt davon ab, wie weit beim Kunden und seinen Produkten die Automatisierung Einzug gehalten hat. Für den Maschinen oder Anlagenbauer ist das natürlich ein Thema, für den Fensterbauer, der seine Säge automatisiert, eher nicht. Sehen kleinere und mittlere Maschinenbauer die entsprechenden Optionen? Dafür werden die Großen schon sorgen, ist doch gerade auch diese Gruppe selbst die p „Digitalisierung und Vernetzung gibt es schon länger in der Automatisierung“, sagt Klaus Bütow, der CEO der Mattke AG. (Bilder: Mattke)


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