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14 Menschen + Märkte „Intelligenz vor Stahl“ Für ihre Steckverbindungen ist die Harting Technologiegruppe weltweit berühmt. Der digitale Wandel ist Chance und Herausforderung gleichermaßen. Die Systemintegration soll künftig genauso unverwechselbar zur Unternehmens-DNA von Harting gehören wie heute die Konnektivität. Projekte, wie beispielsweise die eigene HAII4YOU Factory in Espelkamp, machen dies deutlich. Dr. Volker Franke, Geschäftsführer Harting Applied Technologies, ist der Mann mit Gespür für neue Wege in die digitale Zukunft. In „Intelligenz vor Stahl“, beschreibt er die agile Rolle der Software im Entwicklungsprozess. Harting steht für Konnektivität und will Vorreiter für individualisierte industrielle Produkte zu den Kosten der Massenfertigung   2.2017 sein. Wie bringen Sie das zusammen? Dr. Volker Franke: Mit unseren verschiedenen Geschäftseinheiten, die sich auf ganz bestimmte Produkte und Lösungen spezialisieren, sind wir sehr gut aufgestellt. Zum Beispiel befassen sich die beiden großen Geschäftseinheiten Harting Electric und Harting Electronics mit der Konnektivität, also der Verbindung von Maschinen und Anlagen. Und dann gibt es Harting Applied Technologies als Spezialist im Bereich Werkzeug und Sondermaschinenbau. Innerhalb der Harting Technologiegruppe entwickelt, konstruiert und fertigt Harting Applied Technologies hochpräzise Spritzgießformen sowie Druckgusswerkzeuge und Stanz-Biege- Werkzeuge für die Elektro- und Automobilindustrie. Unsere Sondermaschinen lösen Montage-, Prüf- und Verpackungsaufgaben für eine große Bandbreite von Produkten, ob Steckverbinder, Möbelbeschlag oder medizinische Geräte. Warum geht Harting jetzt gerade im Bereich Industrie 4.0 und Digitalisierung mit Tempo voran? Die Märkte verändern sich, teilweise sehr disruptiv. Harting bewegt sich aufgrund seines Produktspektrums direkt im Nervensystem der Industrie und nimmt deshalb Veränderungsprozesse frühzeitig wahr. Im Komponentengeschäft, im Connectivity und Network-Bereich sind wir eben mittendrin in den verschiedenen Anwendungen. Wenn sich technische Entwicklungen wie derzeit rasch ändern, erkennen wir diese Trends frühzeitig. Hat Industrie 4.0 die Entwicklung bei Harting extra beschleunigt? Industrie 4.0 ist für uns eine Möglichkeit, gezielt ins Systemgeschäft einzusteigen. Unter der Maßgabe der rein passiven Steckverbinder-Komponente wäre das eventuell nicht so leicht möglich. Doch durch die zunehmende Vernetzung und Kommunikationsfähigkeit von Maschinen und Anlagen wird es notwendig, an den Knotenstellen Intelligenz zu implementieren. Harting hat mit den verschiedenen Geschäftseinheiten deshalb eine ideale Ausgangslage. Industrie 4.0 hat Ihnen das Systemgeschäft erleichtert. Wie sind Sie dann eingestiegen? Wir haben drei verschiedene Ansatzpunkte. Zum einen passen wir unsere eigene Produktionsumgebung an sich ändernde Anforderungen des Marktes an: Also kleinere Stückzahlen, individuellere Produktion, höhere Verfügbarkeit und kürzere Realisierungszeiten. Auf der anderen Seite statten wir unsere Produkte aus der Verbindungstechnik zunehmend mit Intelligenz aus. Ein Beispiel ist die Harting MICA, ein intelligenter Mini-Industriecomputer, der den Kunden unterstützt, den Weg zur Digitalisierung der Produktion zu finden. Darüber hinaus stellt Harting Applied Technologies als Maschinen und Anlagenbauer Komplettsysteme zur Verfügung, die genau den Anforderungen der Digitalisierung entsprechen. Neben der reinen Technologie beschäftigen wir uns mit den Geschäftsmodellen, die sich daraus ableiten. Dazu gehört, dass unsere Mitarbeiter diesen Umwandlungsprozess begleiten können. Erst die Technik, dann das Geschäftsmodell? Richtig. Wir reden heute nicht mehr über das technische „Gimmick“. Der kleine, jetzt kommunikationsfähige Sensor interessiert weniger als beispielsweise ein tragfähiges Geschäftsmodell, das sich daraus ableitet. Wenn die Prozesse digital werden, müssen sie anders begleitet und vorangetrieben werden als in der Vergangenheit. Digitalisierung zwingt zum Umdenken. Was macht den Unterschied zur Vergangenheit aus? Früher bestand alles aus separaten Systemen. Eine Maschine hatte vielleicht fünf Subsysteme, jedes mit eigener Steuerung und rudimentären Kommunikationsschnittstellen. Heute wächst alles zusammen. Nicht die Zentralsteuerung ist die Lösung, sondern die Kommunikationsfähigkeit: Daten werden zwischen den verschiedenen Systemen p Dr. Volker Franke ist Geschäftsführer Harting Applied Technologies. (Bild: Schäfer)


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