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16 Menschen + Märkte unterstützen können. Dazu ermitteln wir, wie sich Prozesse, die bisher analog oder zum Beispiel papiergebunden stattfinden, digitalisieren lassen. Man muss die Prozessumgebung verstehen und die Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Systemen erkennen. Das wirft die Frage auf, wie die Produkte angepasst an die Produktionsumgebung unter der Maßgabe der Flexibilität und Varianz produziert werden können. Als Maschinen- und Anlagenbauer kommen wir durch diese Vorgehensweise immer mehr in die Situation hinein, nicht nur eine Anlage nach Lastenheft zu liefern, sondern dem Kunden die jeweils optimale Lösung für seine Bedürfnisse zu bieten.   2.2017 zu entwickeln und nicht von vornherein im Lastenheft die Lösung vorgegeben zu haben. Lastenheft ade, wird jetzt alles auf den Kopf gestellt? Ja. Wir sehen eine Veränderung der bisherigen Vorgehensweisen, also ein Auf-den-Kopf-Stellen des gewohnten Entwicklungsvorgehens. Früher hat der mechanische Konstrukteur als erster ein Lastenheft durchgelesen und im Alleingang konstruiert. Später hat er die Elektrokonstruktion mit eingebunden. Ganz am Ende kam der Software- Experte zum Zuge und hat ein Programm darauf gespielt. Heute bilden wir alles parallel ab. Die Macht der Mechanik schwindet, während die Software dazugewinnt. Es gilt: jekt „FlexiMon“ gestartet, haben danach die HAII4YOU Factory als unsere eigene Smart Factory präsentiert. Unseren Besuchern auf der Hannover Messe 2017 können wir die entscheidende Frage beantworten: Wie sehen mögliche Geschäftsmodelle aus, die mit Industrie 4.0 möglich werden? Welche Rolle spielt in so einem Projekt der einzelne Steckverbinder mit seinen smarten Eigenschaften? Ganz wichtig ist es, über ein modulares Steckverbinder-System zu verfügen. Das ermöglicht uns, hohe Spannungen und Ströme ebenso wie Signale und Datenschnittstellen kompakt in einem Strecker zu kombinieren. Und in unserem Maschinenbau kommt dann eventuell auch noch die Druckluft dazu. Harting ist in der Lage, alle diese Anforderungen in einem Steckverbinder – unserem Han Modular – abzubilden. Einerseits standardisiert, andererseits modular – so haben wir die größtmögliche Flexibilität. Diese Modularität und diese Steckverbinder sind notwendig, um unsere Entwicklungszeiten für die Anlagen zu verkürzen. Der zweite wichtige Aspekt ist die die Miniaturisierung. Wir wollen ja nicht bestimmte Grundaufgaben für die Maschinen und Anlagen immer wieder neu programmieren, sondern ähnliche Abläufe in die Maschine oder Anlage über die entsprechende Software integrieren. Dadurch werden bestimmte Komponenten mit eigener Intelligenz entstehen, die allerdings nicht sehr viel Platz einnehmen dürfen, das heißt kleine Gehäuse mit entsprechenden kleinen Steckverbindern. Beispielsweise haben wir in unsere HAII4YOU Anlage intelligente Stoppstellen integriert, die mit eigener Intelligenz eigenständig den Materialfluss in der Anlage organisieren. Eine Infrastrukturbox gibt es auch? Ja, sie dient dazu, modulare Fertigungszellen leicht anzuschließen und zu gesamten Linien zu kombinieren. Die Infrastrukturbox stellt dafür alle Energien und Medien zur Verfügung, die man an einer Zelle benötigt. Gleichzeitig kann von dort aus zum Beispiel das Energiemanagement erfolgen. Wichtig sind standardisierte steckbare Schnittstellen, die die flexible Zusammenstellung von einzelnen Fertigungszellen zu gesamten Fertigungslinien ermöglichen. Die Fragen stellte Peter Schäfer u www.harting.com  11–C15 t HAII4YOU Factory ist die eigene Smart Factory von Harting. Damit demonstriert das Unternehmen aus Espelkamp, wie Systemintegration funktioniert. (Bild: Harting) Was bedeutet das für die Fertigung Ihrer eigenen Produkte? Das bedeutet für uns, dass sich unser gesamtes Projektmanagement derzeit radikal wandelt. Wir haben in der Zwischenzeit für unseren Maschinen- und Anlagenbau auf agile Entwicklungsmethoden wie auf SCRUM umgestellt. Solche agilen Vorgehensweisen aus der Softwareentwicklung ergeben auch große Vorteile für die Entwicklung von Maschinen und Anlagen. In der Vergangenheit hat man versucht, durch ein möglichst detailliertes Lastenheft die Lösung so weit wie möglich vorzudenken, hat aber den Lösungsraum dadurch stark eingeschränkt. Besser ist es, wenn das Lastenheft in diesem agilen Entwicklungsprozess entsteht. Statt des klassischen Lasten- und Pflichtenhefts nutzen wir z. B. Systems-Engineering- Ansätze, um Mechanik, Elektrotechnik und Steuerungstechnik parallel zu entwickeln. Wichtig ist die enge Abstimmung mit dem Kunden, sie ist Teil des agilen Ansatzes. Die ersten Prototypen werden virtuell mit Systems Engineering-Methoden beschrieben, um dann noch die Freiheit zu haben, eine Lösung in die eine oder in die andere Richtung Intelligenz vor Stahl. Systems Engineering ist das passende Werkzeug, um mechatronische Systeme zu entwickeln, allerdings noch sehr stark auf der Komponentenebene. Wir übertragen das im nächsten Schritt auf Maschinen und Anlagen. Die Komplexität nimmt dabei zu, aber im Detail betrachtet sind es ähnliche Dinge. Unsere Herausforderung ist, dass wir im Sondermaschinenbau oftmals Prototypen erstellen. Das heißt, wir bauen die spezielle Montageanlage nur einmal für einen Kunden. Im einen Fall bauen wir zum Bespiel eine Anlage, in der Ablaufventile für WC-Spülungen montiert werden. Im nächsten entwickeln wir für einen anderen Kunden eine Anlage zur Montage von Scharnieren oder Schrankaufhängungen. Das Produkt ändert sich stark, ebenso wie das jeweilige Anlagenkonzept. Unser Ziel ist es, Systems Engineering so weit voran zu treiben, dass es mächtig genug ist, unsere Entwicklung und Realisierung sauber zu unterstützen. Und gleichzeitig die Realisierungszeit zu verkürzen. Was zeigen Sie auf der Hannover Messe dazu? Wir sind damals mit dem Pro


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