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60 Focus: Mensch – Roboter – Kooperation „Kollaborierende Roboter gehören zur modernen Fertigung“ Mensch und Roboter arbeiten zusammen. Roboter gelten nicht mehr als Wettbewerber um Arbeitsplätze, sondern als zuverlässiger Nebenmann. Geht es nach den Roboterherstellern, entsteht daraus ein Dream-Team, das diverse Jobs gemeinsam produktiver erledigt. Doch wie weit sind wir wirklich auf dem Weg zur Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK). Lassen sich Produktionsabläufe optimieren? Ist der Kollege Roboter wirklich so rücksichtsvoll? Welche Rolle nimmt der Mensch in diesem Szenario ein? Die me hat Roboter-Hersteller und Automatisierer befragt. In dieser Ausgabe antworten Geschäftsführer Helmut Schmid für Universal Robots und Tomas Prchal. Er ist Global Technology Manager, Metal and Robotics bei B&R. Helmut Schmid beantwortet Fragen zur Akzeptanz durch Mitarbeiter und zur Produktivität Mensch-Roboter-Kollaboration. Roboter können auch zu Konkurrenten um Arbeitsplätze werden oder als solche empfunden werden. Wird der Kollege Roboter von den Mitarbeitern akzeptiert?   2.2017 Helmut Schmid: Es liegt in der Natur des Menschen, der Einführung eines neuen Systems und damit neu definierten Arbeitsprozessen zunächst mit Skepsis zu begegnen. Das ist auch bei kollaborierenden Robotern nicht anders. Unsere Roboter sind jedoch nicht darauf ausgelegt, menschliche Arbeitskräfte zu ersetzen. Daher werden sie in der Praxis zumeist schon kurz nach der Einführung zu wertgeschätzten Kollegen, die manchmal sogar einen eigenen Namen be- kommen: Sie übernehmen monotone oder gesundheitsschädigende Arbeiten und helfen als flexibles Werkzeug dort aus, wo gerade Not am Mann ist. Das entlastet die menschlichen Arbeitskräfte und ermöglicht ihnen, sich auf die Tätigkeiten zu konzentrieren, die auch ihrer Qualifikation entsprechen. Welche Erfahrung haben Sie bei der Einführung solcher Systeme gemacht? Wir merken vor allem, dass es kein Standard- Einsatzszenario für unsere Roboter gibt: Sie werden von unseren Kunden mit ganz unterschiedlichen Zielen eingesetzt – dementsprechend unterscheiden sich auch die erzielten Ergebnisse: Manche spüren Wettbewerbsdruck aus Fernost und automatisieren Produktionsprozesse, um Arbeitsplätze am heimischen Standort zu halten. Andere wiederum möchten ihre Mitarbeiter von ergonomisch belastenden und somit dauerhaft gesundheitsschädlichen Tätigkeiten befreien. Wieder andere setzen sie als eine Art „Springer“ ein, der jeweils in den Bereichen aushilft, in denen die aktuelle Auftragslage Mehrarbeit erfordert. So erreichen sie eine hochflexible Produktion gemäß den Anforderungen der heutigen Zeit. Inwieweit vertrauen die Mitarbeiter auf die Sicherheitsvorrichtungen und -Versprechen? Sicherheitsversprechen werden nicht aus dem Bauch heraus getroffen, sondern beruhen immer auf einer umfassenden Risikoanalyse vor der Einführung einer Applikation. Zusätzlich erhalten alle Mitarbeiter, die mit der Roboteranlage arbeiten, eine genaue Einführung über deren Sicherheitsvorkehrungen. Das sorgt für ein hohes Verständnis für die Funktionsweise unserer Roboter von Seiten der Mitarbeiter, wodurch der Umgang mit ihnen schnell zu einem selbstverständlichen Teil des Arbeitsalltags wird. MRK und Produktivität: Kollaborierende Roboter arbeiten langsamer als solche, die abgesichert hinter einem Gitter montieren, transportieren, kleben, lackieren oder schweißen. Wie wird das in einer Produktionslinie am Band geregelt. Gibt es dazu extra Bereiche? Herkömmliche Industrieroboter sind anders als kollaborierende Roboter nicht darauf ausgelegt, in direkter Umgebung menschlicher Arbeitskräfte mit diesen zusammenzuarbeiten und flexibel eingesetzt werden zu können. Ihr Einsatzszenario unterscheidet sich somit stark von dem unserer Produkte, weshalb sie im Regelfall auch in ganz unterschiedlichen Bereichen der Produktionslinie eingesetzt werden. So bringen beide Robotertypen ihre Stärken zur Optimierung der Fertigung ein. Kollaborierende Roboter werden häufig bei einer Fertigung am Band eingesetzt, wenn es um eine optimale Raumnutzung geht und somit nicht die Schnelligkeit der Roboter im Vordergrund steht. Wie entsteht aus kooperierenden Robotern und MRK tatsächlich ein tragfähiges Geschäftsmodell? Die kollaborierenden Roboter von Universal Robots wurden allesamt aus dem Gedanken heraus entwickelt, die Anforderungen einer modernen Fertigung zu erfüllen. Sie ermöglichen die Automatisierung bestimmter Aufgaben, die vorher mit herkömmlichen Industrierobotern nicht möglich war. Außerdem sind sie auch für kleine und mittelständische Unternehmen eine kostengünstige und lohnenswerte Investition. So tragen wir Automatisierung in ganz neue Bereiche und haben unseren Markt gewissermaßen selbst geschaffen. p „Sicherheitsversprechen werden nicht aus dem Bauch heraus getroffen, sondern beruhen immer auf einer umfassenden Risikoanalyse vor der Einführung einer Applikation“, sagt Helmut Schmid. Er ist General Manager Western Europe von Universal Robots.


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