„Mit dem Community-Gedanken treiben wir gemeinsam den Markt voran“

Neue kooperative Roboterplattformen sind nur der eine Teil der guten Nachrichten, die es aktuell von Universal Robots gibt. Netzwerke, Open Source und die Community sind der zweite Teil. „Das ist zum einen unser Partner- und Distributoren-Netzwerk und zum anderen unsere Entwickler-Community“, erklärt Helmut Schmid, General Manager Western Europe & Geschäftsführer der Universal Robots GmbH.

Wo reiht sich Universal Robots in die aktuellen Entwicklungstrends in der Robotik ein?

Helmut Schmid: Einer der Hauptentwicklungstrends, bei dem wir uns nicht nur einreihen, sondern noch immer Vorreiter sind, ist der offene Plattformgedanke, Stichwort Open Source, und ein wirkliches Plug&Play. Hierauf zahlt auch unser neues Angebot, die e-Series, in besonderem Maße ein.
Der wichtigste Trend für die Zukunft lautet aus unserer Sicht: In der Open Community über den Tellerrand hinauszuschauen. Wenn wir nicht nach links und nicht nach rechts blicken, dann entwickeln wir uns nicht weiter. Wir sind hier einer der ersten Anbieter, der eine offene Kommunikation etabliert hat. Unser Software-Kit ist ohne Lizenzgebühren nutzbar.

Was steckt bei Ihnen hinter dem Stichwort Open Source und Networking ganz konkret?

Hier reden wir im Prinzip über zwei Netzwerke. Das ist zum einen unser Partner- und Distributoren-Netzwerk und zum anderen unsere Entwickler-Community Universal Robots+. Wer auch immer etwas Neues entwickelt, bekommt unseren kostenlosen Software-Download-Kit und kann dann auf notwendige Teilbereiche unsere Robotersteuerung direkt zugreifen. Wir wiederum können diese neu entwickelten Komponenten dann über ein Plugin in unsere Teach-Panel integrieren, steuern und komprimieren.

Könnten Sie uns das an einem Beispiel erläutern?

Per se ist der Roboterarm ein „dummer“ Arm, der sich von A nach B bewegt, der weder Augen noch Hände hat – sprich weder Greifer noch Kamerasystem oder ähnliches. Diesen Mehrwert kann ich dem Roboterarm zukünftig über den Netzwerkgedanken mitgeben. Wenn Sie als Kunde etwas ändern wollen, dann können Sie beispielsweise Ihre Pick&Place-Anwendung einbinden und sich auf der anderen Seite aus einem Blumenstrauß an Komponenten bedienen. Das Schöne dabei: Das Netzwerk kann auf unserer Plattform den Business Case darstellen. So sieht jeder, wie und mit welchen Komponenten der jeweilige Nutzer sein Endprodukt umgesetzt hat. Der Neuanwender erhält tiefe Einblicke in die reale Serienproduktion und bekommt nicht nur irgendein Gimmick vom Hersteller.

Wie umfangreich ist die Plattform mittlerweile?

Wir haben mit ein paar wenigen Produkten angefangen. Heute sind 100 Produkte zertifiziert und über 100 Entwicklungen in der Pipeline, die zukünftig der Endanwender für seine Applikationen einsetzen kann. Die Entwicklung ist ähnlich wie bei den App-Stores.

Könnten Sie dies kurz erläutern?

Womit der Kunde zukünftig rechnen kann, ist, dass wir über einfache Software-Updates Produkt-Updates mit neuen Funktionalitäten dem Roboterarm mitgeben können. Ähnlich wie man heute eine App aus einem Google- oder Apple-Store runterlädt, lässt sich zukünftig etwa bei einem Schunk-Greifer oder bei einer Sick-Kamera unsere Schnittstellensoftware nutzen. Anschließend kommuniziert der Roboter automatisch mit der Kamera oder mit dem Greifer, ohne zusätzlich irgendetwas komprimieren und entwickeln zu können – Plug&Play eben.

Welche Zielgruppe adressieren Sie damit?

Die kleinen- und mittelständischen Unternehmen, die KMU. Dort sind meist keine Roboterspezialisten vorhanden. Wir versetzen dank der einfachen Programmierung unserer UR-Roboter den Vorarbeiter, den Meister oder den Maschinenführer in die Lage, das Produkt selbstständig zu beherrschen. Es sind keine teuren Roboterexperten notwendig. Mit unserer neuen e-Series gelingt die Programmierung noch einfacher und schneller.

Wie kommt ihr Angebot bei den KMU an?

Ein Vorteil der meist eigentümergeführten KMU sind die kurzen Entscheidungswege. Auf der anderen Seite hat ein KMU die Problematik des Cash-Flows und des Know-hows. Zu dieser Bedürfnis-Kombination passt unser Angebot ideal. Wenn sich ein Produkt innerhalb von drei bis sechs Monaten amortisiert, adressiert dies vor allem das Thema Cash-Flow. Die heutige Leichtbaurobotik ist zum Teil weit unter 100.000 Euro zu integrieren, wohingegen die klassischen Industrieroboter ein Vielfaches kosten.Wir tragen dieses Potenzial jetzt über bessere Kommunikation, Business Cases und die Community verstärkt in die Branche hinein.

Was bedeutet das für die Anwender?

Heute verlagern KMU mit einer neuen Produktidee ihre Produktion nach Tschechien oder Polen, weil sie glauben, dass die Produktionskosten und damit die der Kosten für die Robotik günstiger sind. Aber die Roboterstunde, und deswegen ist die Aufklärung so wichtig, kostet in München, in Berlin oder Stuttgart genauso viel wie in Shanghai, in Peking oder wo auch immer. Hier findet gerade ein Umdenken statt, weil auf der anderen Seite Sprache, Qualität, Ausbildung oder Logistik hierzulande besser sind als im Ausland.

Robotik sorgt also für Rückverlagerung?

Ja. Deswegen legt China auch gerade das Robotik-Programm 2025 auf. Denn auch die Chinesen sind mittlerweile, aufgrund steigender Gehälter, mit dem Thema Abwanderung konfrontiert. Wir sehen ein Reshoring von Arbeitsplätzen, insbesondere auch hochwertiger Arbeitsplätze zurück nach Deutschland. Hier ist jedoch noch viel Aufklärungsarbeit vonnöten. Der kleine Mittelständler, der sogenannte Hidden Champion, muss über die potenziell günstigen Amortisationszeiten des Robotereinsatzes informiert werden. Unsere neue e-Series geht hier sogar noch einen Schritt weiter. Sie ist nochmal einfacher, nochmal schneller, nochmal genauer, um zusätzlich besser auf die Kundenbedürfnisse einzugehen.

Die neue e-Series ist jedoch um 5 bis 15% teurer als bisherige Lösungen. Wie erklären Sie das Ihren Kunden?

Eine Applikation besteht ja in der Regel aus drei Komponenten: dem Produkt, der Integration und der Risikobeurteilung in der Entwicklung. In Punkto Sicherheit vereinfacht die e-Series eine für kollaborative Implementierungen notwendige Risikobeurteilung enorm. Dazu verfügt sie über insgesamt 17 konfigurierbare Sicherheitsfunktionen – alle durch den TÜV Nord zertifiziert. Auch bestimmte Komponenten wie ein integrierter Kraft-Momenten-Sensor sind bereits Bestandteil der e-Series. Das heißt: In der Gesamtkalkulation wird zwar das Produkt Roboter etwas teurer, aber unterm Strich sind günstigere Applikationen möglich.

Geht dann Ihr Service auf den Kunden zu oder kommt der Kunde zu Ihnen?

Wir greifen über unseren zweizügigen Vertriebskanal auf unser Partnernetzwerk zu und schulen und trainieren als Hersteller das Integratoren- und Distributorennetzwerk. An unserem Standort München befindet sich unser Trainingscenter für die Region Westeuropa. Zudem bauen wir derzeit über Partner Certified UR-Trainingscenter auf, damit Distributoren in unserem Namen und nach unseren Anforderungen schulen und trainieren können.

Welche Anwendungen stehen derzeit im Vordergrund?

Aktuell sind Pick&Place und Maschinenbeladung die wichtigsten Anwendungen, aber Verpackungsapplikationen sind ihr dicht auf den Versen, insbesondere das Thema „End of Line“: Palettieren, Depalettieren oder Etikettieren. Hier wird die Entwicklung besonders stark sein, denn im Bereich Logistik gibt es heute noch sehr viele manuelle Tätigkeiten.

Wie sieht es im Bereich Lebensmittelverpackung aus?

Man muss hier unterscheiden zwischen verpackten und offenen Lebensmitteln. Man kann zwischen zwei Optionen wählen: Entweder man arbeitet mit Hochdruck oder man setzt stark ätzende Chemikalien zum Reinigen ein. Deswegen sagen wir: Lebensmittel ja, aber nur im verpackten Bereich. Dort haben wir sehr viele Anwendungen. Unsere Roboter erfüllen die ISO Reinraum Klassifizierung 5 und 6 und den Spritzwasserschutz IP 54.

www.universal-robots.com/de

Die neue kollaborative Roboterplattform e-Series ermöglicht eine größere Vielfalt von Anwendungen.

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