Vakuum wird mobil

2026 04 14 SCHMALZ FB Wie Vakuum mobil wird Bild 1

Produktionsverantwortliche stehen vor einer doppelten Aufgabe: Sie wollen ihre Werke flexibel aufstellen und zugleich Energie sparen. Dafür planen sie modulare Fertigungszellen, setzen auf autonome mobile Roboter (AMR) und prüfen Konzepte für druckluftarme Bereiche. Gleichzeitig stoßen sie auf eine gewachsene Infrastruktur. Druckluftleitungen verlaufen fix durch die Halle. Jede neue Anlage verlangt Anschlüsse, jede Layoutänderung verursacht Aufwand.

 Elektrische Vakuum-Erzeuger, wie die Compact-Pump GCPi von Schmalz, lassen sich ideal in der Vakuum-Automation sowie in der mobilen Robotik mit autonomen Transportsystemen (AGV) und Robotern (AMR) einsetzen.
Elektrische Vakuum-Erzeuger, wie die Compact-Pump GCPi von Schmalz, lassen sich ideal in der Vakuum-Automation sowie in der mobilen Robotik mit autonomen Transportsystemen (AGV) und Robotern (AMR) einsetzen.Bild: J. Schmalz GmbH

Vakuum folgt dem Fahrzeug, nicht der Infrastruktur

Vor allem die mobile Robotik benötigt flexible Lösungen. AMR und fahrerlose Transportsysteme (FTS, auch Automated Guided Vehicle, AGV) bewegen sich frei durch das Werk. Sie können keine stationären Medienanschlüsse mitführen. Kollaborative Roboter (Cobots) folgen ebenfalls einem anderen Prinzip als klassische Industrieroboter. Sie sind leicht, flexibel einsetzbar und wechseln ihren Arbeitsplatz. Die Stärken von externer Druckluft liegen aber woanders. Michael Pojtinger, Leiter Geschäftsentwicklungsprozess Vakuum-Automation (Komponenten) bei Schmalz, formuliert es nüchtern: „Die Fabrik wird modular, aber die Druckluft ist für feste Installationen gemacht.“

Elektrische Vakuum-Erzeuger setzen genau hier an. Sie arbeiten ohne zentrale Druckluft, ein Stromanschluss genügt. Damit treibt ein integrierter Elektromotor eine Pumpe oder ein Gebläse an. Das System baut den erforderlichen Unterdruck direkt am Einsatzort auf. Die Energie stammt aus dem Stromnetz oder aus der Fahrzeugbatterie des Roboters. Das Vakuum entsteht unmittelbar am End-of-Arm-Tooling (EOAT). Damit wird die Greifeinheit zu einem autarken System und funktioniert unabhängig von stationären Anschlusspunkten.

Für AMR- und AGV-Anwendungen eröffnen sich dadurch neue Spielräume. Die Roboter bewegen sich ohne Schlauchverbindungen durch die Produktion und benötigen keine feste Medienversorgung. Auch bei Cobots wirkt sich dieser Ansatz aus. Da sie häufig in wechselnden Umgebungen arbeiten, zählt jede eingesparte Schnittstelle. Elektrische Vakuum-Erzeuger kommen ohne externe Luftaufbereitung aus und vereinfachen dadurch Integration und Inbetriebnahme.

 Ob mobile Robotik, 
vollautomatisiertes 
Kleinteilehandling oder 
stationäre Handhabungsaufgaben: Elektrische Vakuum-Erzeugung 
verbessert die Energieeffizienz dank 
automatischer Anpassung der 
Saugleistung, z.B. mit dem VakuumErzeuger ECBPi von Schmalz.
Ob mobile Robotik, vollautomatisiertes Kleinteilehandling oder stationäre Handhabungsaufgaben: Elektrische Vakuum-Erzeugung verbessert die Energieeffizienz dank automatischer Anpassung der Saugleistung, z.B. mit dem VakuumErzeuger ECBPi von Schmalz.Bild: J. Schmalz GmbH

Flexible Fabrikplanung ohne Druckluftnetz

Immer mehr Unternehmen stellen eine grundsätzliche Frage: Wo ist Druckluft nicht mehr zwingend erforderlich? In einzelnen Produktionsbereichen, teilweise sogar im gesamten Werk, prüfen sie Konzepte, die bewusst ohne dieses Medium auskommen – um Energie noch effizienter zu nutzen, Kosten zu senken und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

In solchen Szenarien übernehmen elektrische Vakuum-Erzeuger eine Schlüsselrolle. Sie generieren den erforderlichen Unterdruck direkt am Einsatzort und benötigen keine zentrale Druckluft-Infrastruktur. „Das Handling bleibt kraftvoll und prozesssicher, auch wenn das Leitungsnetz entfällt“, bringt es Pojtinger auf den Punkt. Vorteile zeigen sich auch in der Fabrikplanung, da sich Produktionszellen unkompliziert versetzen lassen, ohne dass Druckluftleitungen neu verlegt werden müssen. Strom steht in der Regel flächendeckend zur Verfügung. Das reduziert Planungsaufwand und Stillstandszeiten bei Umbauten.

„Elektrische Vakuum-Erzeuger sparen, abhängig von Anwendung und Lastfall, bis zu 95 Prozent Energie gegenüber druckluftbetriebenen Ejektoren ein“, betont Pojtinger. „Die tatsächliche Ersparnis hängt von Taktzahl, Lastprofil und Betriebsdauer ab.“ Der technische Hintergrund: Druckluft wird zentral erzeugt, aufbereitet und über Leitungen verteilt. Jeder dieser Schritte verursacht Verluste. Elektrische Systeme wandeln Strom direkt am Einsatzort effizient in Unterdruck um. Anwender verringern dadurch ihre Betriebskosten und entlasten gleichzeitig die zentrale Infrastruktur. Elektrische Vakuum-Erzeuger reduzieren CO2-Emissionen und damit den Product Carbon Footprint (PCF), sofern der Strommix dies zulässt.

Digitale Integration als Bestandteil der Systemarchitektur

Schmalz entwickelt elektrische Vakuum-Erzeuger als Bestandteil einer modular aufgebauten Systemarchitektur. Das Portfolio reicht von kompakten Vakuum-Pumpen für Cobots und End-of-Arm-Anwendungen bis zu elektrischen Hochleistungspumpen und Vakuum-Gebläsen für stationäre Prozesse. Damit deckt das Unternehmen unterschiedliche Leistungsbereiche ab und bietet zugleich Komponenten für die gesamte Vakuum-Kette, vom Sauggreifer bis zur Sensorik.

Seiten: 1 2