
Die vielleicht sichtbarste Veränderung gegenüber früheren Ausgaben ist der komplett neu geordnete Hallenplan. Die Ausstellung konzentriert sich 2026 auf einen klar abgegrenzten Geländebereich: Die Hallen 14 bis 17 bilden den östlichen Ausstellungskern, die Hallen 11 bis 13 im Süden sind dem Thema Energie und Industrieinfrastruktur gewidmet, während die Hallen 23, 25 und 26 im Norden Robotik, Automatisierung und IT beheimaten. Die große Halle 27 im Westen schließt das Gelände ab. Dass die früher stark bespielten Hallen der einstelligen Reihe diesmal nicht zum Einsatz kommen, macht die Wege kürzer und die Navigation angeblich einfacher. Allerdings ist sie letztlich wohl eine Anpassung an weniger Aussteller. Selbst nach Corona waren es sonst mehr als 4.000.
Drei Ausstellungsbereiche – ein roter Faden
Inhaltlich gliedert sich die Messe in drei Hauptbereiche. Unter ‚Automatisierung & Digitalisierung‘ finden sich Robotik, Antriebstechnik, industrielle Steuerungssysteme, Software und KI-Anwendungen. ‚Energie & Industrieinfrastruktur‘ widmet sich Wasserstofftechnologien, dezentralen Energiesystemen, Stromspeichern und Netztechnologie – ein Bereich, der angesichts der Energiewende wächst. Unter ‚Forschung & Technologietransfer‘ präsentieren Hochschulen, Institute und Startups Technologien, die sich noch auf dem Weg zur Marktreife befinden. Durch alle drei Bereiche zieht sich das Thema künstliche Intelligenz – von der datengestützten Prozessoptimierung bis zu selbstlernenden Steuerungssystemen.
In Halle 26 befindet sich der Industrial Security Circus, die zentrale Plattform für industrielle Cybersicherheit. Hier treffen Anbieter, Experten und Anwender zusammen, um aktuelle Bedrohungslagen und Schutzkonzepte zu diskutieren. Unmittelbar daneben liegt die ‚5G & Industrial Wireless Arena‘ – nach Veranstalterangaben Europas größte Plattform für drahtlose Industriekommunikation, mit Schwerpunkt auf 5G, 6G und NB-IoT. Wer in Halle 15 nach dem VDMA-Gemeinschaftsstand sucht, findet dort den Schwerpunkt Software und Digitalisierung im Maschinenbau – ein Themencluster, das in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Warum Unternehmen mit Connected Engineering schneller, sicherer und wettbewerbsfähiger werden ‣ weiterlesen
Von Insellösungen zum vernetzten Engineering-Ökosystem
Physical AI: KI, die anfasst
Neben den vertrauten KI-Anwendungen in der Datenanalyse und Prozesssteuerung rückt 2026 ein neues Konzept in den Vordergrund: Physical AI. Gemeint sind KI-Systeme, die nicht nur Informationen verarbeiten, sondern unmittelbar mit der physischen Welt interagieren – in Maschinen, Anlagen und Robotern. Besonders im Bereich der Robotik verspricht das Programm eindrucksvolle Demonstrationen: Humanoide Roboter werden an mehreren Ständen zu erleben sein, ebenso wie autonome Systeme für Lager, Produktion und Logistik. Für Besucher, die über den Stand der Technik hinaus nach konkreten Einsatzszenarien suchen, dürfte dieser Bereich zu den interessantesten der gesamten Messe gehören.
Neue Formate für mehr Tiefe
Die Deutsche Messe AG setzt 2026 stärker als bisher auf inhaltliche Formate neben der Ausstellungsfläche. Die neue Center Stage bringt Führungspersönlichkeiten aus Industrie, Politik und Forschung zusammen – als Diskussionsplattform für die industriepolitischen Fragen der Zeit. Neu sind auch Masterclasses: kleine, auf rund 40 Teilnehmer begrenzte Lehrformate, bei denen Aussteller Fachbesuchern praxisnah ihr Know-how vermitteln. Ergänzt wird das Programm durch Roundtables, Expert Stages und strukturiertes Matchmaking. Wer die Messe vor allem als Netzwerkveranstaltung nutzt, findet damit ein deutlich dichteres Angebot als in früheren Jahren.
Eine thematisch neue Fläche ist der Defense Production Park. Hier zeigen Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie, wie moderne Produktionstechnik sicherheitskritische Anforderungen erfüllt und dabei hochgradig skalierbar bleibt. Der Hintergrund ist bekannt: Die ‚Zeitenwende‘ in der deutschen Sicherheitspolitik stellt die Rüstungsindustrie vor die Herausforderung, ihre Kapazitäten in kurzer Zeit erheblich auszuweiten – ohne Abstriche bei Qualität und Versorgungssicherheit. Dass die Hannover Messe dieses Thema aufgreift, ist konsequent: Die Fertigungsherausforderungen der Verteidigungsindustrie unterscheiden sich technologisch kaum von jenen anderer anspruchsvoller Industriezweige.
Software und IT: ein wachsendes Gewicht
Wer die Hannover Messe über mehrere Jahre beobachtet, stellt einen klaren Trend fest: Software, IT-Plattformen und digitale Geschäftsmodelle nehmen mehr Raum ein, während klassische Maschinenbau-Teilbereiche wie Hydraulik oder Antriebstechnik seltener im Mittelpunkt stehen. Das spiegelt die Realität der Industrie wider – die Wertschöpfung verlagert sich zunehmend in den digitalen Bereich. Wer nach dem Vorbild der 2018 eingestellten CeBIT eine Plattform für industrienahe IT sucht, findet in Hannover inzwischen ein beachtliches Angebot: KI-Infrastruktur, Datenökosysteme, Edge Computing und Industriesoftware haben auf der Messe einen festen Platz. Der Unterschied zur einstigen CeBIT: Der Bezug zur physischen Produktion bleibt das verbindende Element.
Partnerland Brasilien
Brasilien ist Partnerland der Hannover Messe 2026 und präsentiert sich mit über 160 Ausstellern. Als größte Volkswirtschaft Lateinamerikas mit wachsendem Industriesektor, reichen Rohstoffvorkommen und strategischer Bedeutung für globale Lieferketten passt Brasilien gut in das Profil der Messe. Mehr als 1.500 deutsche Tochterunternehmen sind in Brasilien aktiv – das Potenzial für konkrete Geschäftsanbahnungen ist vorhanden. Angesichts sich verschiebender Handelsbeziehungen und einer zunehmenden Diversifizierung von Lieferketten richtet die deutsche Industrie ihren Blick ohnehin stärker nach Lateinamerika. Die Messe bietet dafür einen gut organisierten Rahmen.

















