Regionalbündnis für industriellen 3D-Druck

Sonotec nutzt 3D-Druck gezielt im Prototypen- und Vorrichtungsbau, um neue Anforderungen schneller in funktionssichere Lösungen zu übersetzen.
Sonotec nutzt 3D-Druck gezielt im Prototypen- und Vorrichtungsbau, um neue Anforderungen schneller in funktionssichere Lösungen zu übersetzen.Bild: Sonotec

Von Komponenten und Ersatzteilen für Maschinen und Anlagen über elektrostatisch abgeschirmte Transportbehältnisse, Großbauteile für Automotive, Schienen- und Luftfahrzeuge bis zu patientenspezifischen Medizinprodukten aus dem Drucker: Das Bündnis ‚AddiQ‘ aus zehn mitteldeutschen Unternehmen, drei Forschungseinrichtungen und zwei Hochschulen hat das Ziel, additiven Fertigungstechniken endlich zu einer breiten industriellen Anwendung im Mittelstand zu verhelfen.

„Zu Einzelaspekten wird vielerorts geforscht, es existieren auch gute Insellösungen; wir brauchen aber ein industrielles All-inclusive-Programm entlang der kompletten technologischen Kette“, fasst Konsortialführer Hans-Joachim Münch von Sonotec die Strategie des Bündnisses zusammen. Seit Ende 2023 bündelt das Netzwerk deshalb Knowhow und Kapazitäten in fünf Verbundprojekten mit dutzenden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Langfristig soll eine Art ‚Additive Valley‘, ein mitteldeutsches Kompetenzzentrum entstehen. Fördermittel aus dem Programm Rubin des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt helfen dabei.

Von der Materialauswahl, dem Handling großer Datenmengen über die Prozessüberwachung bis zum Postprocessing, zur Normung, Zertifizierung und selbst der Weiterbildung: So groß wie die Herausforderungen sind auch die Chancen. Das neue, kohärente Herangehen an die industriesichere Gestaltung der additiven Fertigung soll branchenübergreifend gravierende Verbesserungseffekte im Produktionsablauf, beim Gewicht der Erzeugnisse, den Kosten und Lieferzeiten bringen. Komplette konventionelle Fertigungsschritte und Baugruppen können perspektivisch entfallen, Produkte mit völlig neuen Eigenschaften und Funktionen entstehen.

Probleme und Erfolge diskutierten die Bündnispartner kürzlich in Halle mit Vertretern von Industrie und Forschung aus dem gesamten Bundesgebiet. Zu den beim ersten AddiQ-Anwenderforum vorgestellten Projekten gehörten beispielsweise elektromagnetisch abschirmende Materialien auf Polymerbasis für den Messgerätebau mit leitfähigen, kostengünstigen Kohlenstoff-Nanoröhren und Carbonfaserverstärkung, die bei reduziertem Gewicht eine Zusatzschirmung ersparen sowie schnelle und einfache Produktanpassungen ermöglichen. Oder elektrostatisch ableitende Verpackungen, miniaturisierte Heizsysteme und funktionsintegrierte Gehäuse für Analysenmessgeräte.

Das AddiQ-Netzwerk will seine Zusammenarbeit auch nach dem Ende der geförderten Phase fortsetzen. Es setzt schon jetzt auf Kooperation mit mittelständischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen 3D-affiner Branchen wie Maschinenbau, Elektronik, Medizintechnik oder Mobilität. „Sie können ihre spezifischen technologischen Ansätze und Fragestellungen einbringen, um gemeinsam mit uns zukunftsträchtige Additiv-Lösungen zu schaffen“, sagt Dr.-Ing. Klaus Krüger, Vorstandsvorsitzender der ebenfalls in das Bündnismanagement eingebundenen Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelttechnologien e.V. (GMBU).