
Seit dem 31. Juli gilt in der EU ein verbindliches Recht auf Reparatur, das die 10Mio.t Elektroschrott, die jedes Jahr in der EU anfallen, eindämmen soll. Wie dieses Recht mithilfe von automatisierter Fehlererkennung, Reparaturrobotern und dem Erfahrungswissen qualifizierter Fachkräfte die Kreislaufwirtschaft vorantreiben kann, zeigt das VDI ZRE in seinem neuen Technologiefilm ‚Zu wertvoll für den Schrott: Industrielle Reparatur stärkt die Kreislaufwirtschaft‘.
Das EU-Recht auf Reparatur
Durch das verbindliche Recht auf Reparatur sind Hersteller bestimmter Produktgruppen verpflichtet, Reparaturen auch nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung zu einem angemessenen Preis anzubieten. Wer reparieren lässt, erhält zudem zwölf Monate zusätzliche Gewährleistung auf die im Rahmen der Reparatur erneuerten Komponenten. Eine solche Nachserienversorgung mit Ersatzteilen bindet Herstell- und Zulieferunternehmen weit über das Produktionsende hinaus. Das stellt die Konsumgüterindustrie nicht nur vor logistische Herausforderungen, sondern eröffnet gleichzeitig neue Geschäftsmodelle.
Repartly: Mit Robotik und Erfahrungswissen im Dienst der Kreislaufwirtschaft
Am Beispiel von Repartly aus dem ostwestfälischen Gütersloh zeigt der Technologiefilm, wie industrielle Reparatur in Losgröße 1 in der Praxis funktionieren kann. Das 2021 gegründete Unternehmen verbindet digitale Tools und manuelle Reparatur zu einem skalierbaren System: Das Erfahrungswissen qualifizierter Mitarbeitender wird systematisch auf Reparaturroboter übertragen und so industriell nutzbar gemacht.
Mithilfe von automatisierter Fehlerdiagnose und Bilderkennung werden technische Fehler auf Basis einer umfangreichen Datenbank identifiziert. Einen Teil der Instandsetzung übernehmen Reparaturroboter, die teilweise für neue Gerätetypen und Fehlerquellen bereits automatisch angelernt werden. Ausgetauschte Bauteile werden generalüberholt, vollständig geprüft und mit einem Gewährleistungsanspruch versehen. Eine eigens entwickelte App unterstützt die Warenidentifikation, Bewertung von Altgeräten und die Logistik. Ein Lager mit aktuell ca. 6.000 aufgearbeiteten Ersatzteilen sorgt für sofortige Lieferfähigkeit.
Endkundschaft und Reparaturbetriebe profitieren vor allem vom Preis, da die generalüberholten Ersatzteile zwischen 50 und 75% günstiger als neue Austauschkomponenten sind. Gleichzeitig können Hersteller auf aufbereitete Komponenten zurückgreifen, statt Ersatzteile über viele Jahre selbst vorzuhalten oder nachzufertigen. Möglich macht das die Kooperation mit fünf großen Recyclingunternehmen in ganz Europa. Deren Altgerätebestände werden so zu einem dezentralen, bislang weitgehend ungenutzten Ersatzteillager.
Reparierbarkeit als Designprinzip
Ein strukturelles Problem bleibt: Reparaturfreundlichkeit muss bereits von den Herstellern mitgedacht werden. Wie Repartly betont, kann Reparierbarkeit auch als Instrument der Markenbindung genutzt werden. Denn Hersteller, die Reparatur aktiv ermöglichen, stärken das Vertrauen ihrer Kundinnen und Kunden.
Der Technologiefilm wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) erstellt. Der Film ist ab sofort auf dem YouTube-Kanal des VDI ZRE verfügbar. www.youtube.com














