
Nachdem die Aktivitäten im Bereich digitalisierter Prozesse und Automation im Tochterunternehmen SMW-Electronics gebündelt wurden, entstanden dort die mechatronischen Greifer der Motiact-Reihe für die EOAT-Automation (End-of-Arm-Tooling). „Mechatronische, intelligente Systeme bieten Vorteile hinsichtlich der Prozesskontrolle und Energieeffizienz“, erklärt Tobias Schneider vom Business Development bei SMW-Autoblok. „Sie ermöglichen eine sichere Steuerung und benötigen nur dann Energie, wenn sie in Bewegung sind.“

Vier Baureihen für unterschiedliche Lastbereiche
Der MX-S ist ein mechatronischer Kleinteilegreifer für Pick&Place-Aufgaben und industrielle Cobot-Anwendungen. Er ist in den Baugrößen 025 und 050 erhältlich. Der Hub je Backe beträgt 3 bzw. 8mm, die Schließ- und Öffnungskraft liegt bei 40 bzw. 200N. Die IO-Link- und Digital-IO-Schnittstellen ermöglichen die Integration in gängige Systemarchitekturen. Dank seiner kompakten Abmessungen ist der IP40-geschützte MX-S auch dort einsetzbar, wo der verfügbare Bauraum am Roboterarm begrenzt ist.
Für Robotikanwendungen in der Automobilfertigung, im Maschinenbau oder bei der Werkstückbeladung in Bearbeitungszentren ist der MX-M ausgelegt. Der mechatronische Universalgreifer mit der Schutzart IP64 wurde für mittelgroße Werkstücke konzipiert und ist in den Baugrößen 080 und 125 verfügbar. Der Hub pro Backe beträgt 8 bzw. 13mm, die Greifkraft beim Schließen und Öffnen 1.200 bzw. 1.800N. Auch der MX-M ist mit IO-Link- und Digital-IO-Schnittstellen ausgestattet.
Der MX-U ist der flachste Vertreter der Motiact-Reihe und eignet sich für Cobot-Anwendungen mit kleineren bis großformatigen Teilen. Als mechatronischer Universal-Langhubgreifer mit der Schutzart IP54 verfügt er über einen Hub von 52,3mm je Backe. Die Greifkraft beim Öffnen und Schließen beträgt 300N. Neben einer IO-Link-Schnittstelle ist auch eine RS-485-Schnittstelle vorhanden. Die flache Bauweise erleichtert die Integration in platzkritische Applikationen. Warum Unternehmen mit Connected Engineering schneller, sicherer und wettbewerbsfähiger werden ‣ weiterlesen
Von Insellösungen zum vernetzten Engineering-Ökosystem
Für schwere Werkstücke steht der MX-L zur Verfügung. Der mechatronische Langhubgreifer mit 99mm Hub pro Backe erreicht Schließkräfte von 10 bis 40kN. Über Profinet- oder Ethernet/IP-Schnittstellen ist er direkt in eine Steuerung integrierbar. Die Schutzart IP67 macht ihn für raue Umgebungsbedingungen geeignet. Der MX-L richtet sich damit an Anwendungen, in denen weder kompakte Bauformen noch niedrige Greifkräfte ausreichen und eine robuste, direkt steuerungsintegrierte Lösung gefordert ist.

Positionierung ohne Referenzfahrt
Ein zentrales Merkmal aller Motiact-Greifer ist das integrierte absolute Wegmesssystem. Es ermöglicht, dass die Greifer ihre Position mit einer Wiederholgenauigkeit von 0,02mm auf das jeweils zu greifende Objekt anpassen – ohne den Umweg über die Endlage. Auch bei großer Teilevielfalt sind damit schnelle, effiziente Abläufe möglich. Die Greifkraft lässt sich unabhängig von Greifgeschwindigkeit und Hub in feinen Abstufungen einstellen. Dies beschleunigt die Greiferabläufe und ermöglicht einen gezielten Energieeinsatz.
Darüber hinaus sind die Motiact-Greifer mit einem Sicherheitskonzept ausgestattet, das bei einem Energieausfall sowohl Kraft als auch Position beibehält. Eine mechanische Selbsthemmung des Antriebs, ein Federpaket sowie – je nach Ausführung – eine Motorbremse sichern den Greifkrafterhalt. Das Wegmesssystem gewährleistet den 1:1-Positionserhalt ohne Referenzfahrt. Nach Wiederkehr der Energieversorgung kann der Prozess nahtlos fortgesetzt werden – ein Vorteil sowohl in der industriellen Fertigung als auch beim Handling sensibler Objekte wie Laborproben in Glasbehältnissen. Eine Referenzfahrt nach dem Neustart entfällt, was die Wiederanlaufzeit verkürzt und den Ablauf vereinfacht.

Kontaktlose Energieübertragung für endlose Rotation
In der EOAT-Automation stellt die Rotation von Greifereinheiten eine konstruktive Herausforderung dar: Die rotierende Einheit muss mit dem stationären Roboterarm verbunden bleiben, um Energieversorgung und Signalaustausch sicherzustellen. Herkömmliche Lösungen mit Kabeln oder Schleifringen sind entweder bewegungseinschränkend oder verschleißintensiv. SMW löst dieses Problem durch induktive Koppelsysteme, die eine kontaktlose Verbindung über einen Luftspalt ermöglichen. „Wir haben eine Lösung entwickelt, die komplett ohne hinderliche Kabel oder verschleißintensive Schleifringe auskommt“, so Schneider.


















