
Seit über 50 Jahren entwickelt und fertigt Kampmann Systeme zum Heizen, Kühlen und Lüften für Nichtwohngebäude. Diese erfordern im Vergleich zu Wohnräumen deutlich höhere Luftvolumenströme und entsprechend dimensionierte Geräte. Daraus ergeben sich hohe Anforderungen an die Fertigung und Montage: Großformatige Bleche und schwere Baugruppen müssen sicher, präzise und materialschonend gehandhabt werden.

Ergonomie und Arbeitssicherheit im Fokus
Alexander Grünloh, Projekt Manager in der Fertigungstechnik bei Kampmann, erklärt: „Die Gesunderhaltung unserer Mitarbeitenden hat für uns einen hohen Stellenwert.“ Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, moderne Hebehilfen systematisch in die intralogistischen Abläufe zu integrieren. Die Entscheidung fiel auf Vakuum Schlauchheber von Timmer, die im Vergleich zu klassischen Kranlösungen deutliche ergonomische Vorteile bieten. „Die Bedienung ist intuitiv und folgt den natürlichen Hebe- und Senkbewegungen“, so Grünloh. Darüber hinaus arbeiten die Geräte geräuscharm und ermöglichen ein materialschonendes Handling der Bauteile. Mittlerweile sind an vier unterschiedlichen Arbeitsstationen Vakuum-Hebesysteme im Einsatz, die exakt auf die jeweiligen Bauteile, Prozesse und räumlichen Gegebenheiten abgestimmt sind.
Ergonomische Palettierung sperriger Gebläsekonvektoren
Zuerst wurde 2021 ein Schlauchheber für die Endmontage und Versandvorbereitung der Gebläsekonvektoren der Baureihe Venkon installiert. Diese Geräte durchlaufen nach der Montage eine durchgängige Qualitätskontrolle, bevor sie für Verpackung und Versand freigegeben werden. Für das Handling der geprüften Konvektoren kommt der Heavylift 80kg mit einem Seitenlifter zum Einsatz. „Die Gebläsekonvektoren werden mit dem Schlauchheber vom Prüftisch aufgenommen und entweder auf eine Rollenbahn zur Kartonage-Verpackung umgesetzt oder direkt auf Paletten abgestellt“, so Grünloh. Für eine platzsparende Palettierung werden die Gebläsekonvektoren nicht liegend, sondern hochkant vom Prüftisch aufgenommen und auf der Palette positioniert. So lassen sich bis zu fünf Geräte auf einer Europalette aufstellen. Für diesen Schritt entwickelte Timmer eine kundenspezifische Sondertraverse, bei der die Saugplatten seitlich am Gerät angreifen und nicht, wie üblich, von oben. Mit der Vakuum-Hebetechnik kann ein einzelner Mitarbeiter die Geräte vom Prüftisch auf Palette oder Rollenbahn selbstständig und ergonomisch umsetzen. Manuelle Hebevorgänge oder Hilfspersonen sind nicht erforderlich, was den Materialfluss am Ende der Fertigung vereinfacht und gleichzeitig die körperliche Belastung der Mitarbeitenden reduziert.
Einlegen von runden Komponenten in einen Kreisschneider
„Der Kadius ist ein rundes, von der Decke abgehängtes Gerät, bei dem die Luft später umlaufend über einen Ringspalt in den Raum abgegeben wird“, beschreibt Grünloh den Gebläsekonvektor. Dafür verarbeitet Kampmann großformatige Blechscheiben aus einer Stanz-Nibbelmaschine weiter. Die runden Bleche mit einem Durchmesser von circa 1,3m werden dabei einem Kreisschneider zugeführt, in dem aus der Vollscheibe ein äußerer Ring herausgetrennt wird. Niklas Vernim, Verkaufsingenieur bei Timmer, sagt: „Eine besondere Herausforderung stellte hier die Maschinenkontur des Kreisschneiders dar, da das Bauteil beim Einlegen unter einen auskragenden Maschinenarm geführt werden muss.“ Seit 2024 kommt für diese Aufgabe ein Lightlift mit einer Traglast von 30kg zum Einsatz.
Während der eigentliche Hebevorgang eine typische Schlauchheberanwendung darstellt, erforderte die Geometrie der Blechscheiben eine Sonderlösung bei der Lastaufnahme. „Wir haben gemeinsam mit Kampmann eine Sondertraverse entwickelt, die speziell für das Handling der großformatigen Blechscheiben ausgelegt ist“, sagt Vernim. Durch den groß dimensionierten Bügel der Traverse lassen sich die Blechscheiben sicher ansaugen und kontrolliert auf die Bearbeitungsmaschine legen. Der Schlauchheber übernimmt dabei nicht nur das vertikale Heben, sondern unterstützt auch das präzise Positionieren und seitliche Einschieben der Bleche in den Kreisschneider. Durch die Kombination aus Lightlift und Sondertraverse kann Kampmann die Bauteile trotz ihrer Größe und Geometrie sicher, materialschonend sowie effizient handhaben.
Materialschonendes Handling großformatiger Bleche
Auch für die Beschickung von Abkantbänken nutzt Kampmann seit Anfang 2025 einen Vakuum-Schlauchheber von Timmer: Mit ihrem zweiten Lightlift können die Mitarbeitenden Bleche bis 3,2m Länge vollflächig anheben, ohne dass sie sich verformen. Vor der Installation der Hebeanlage waren für die Handhabung der Bleche aufgrund der Maße und der fehlenden Eigensteifigkeit zwei Personen erforderlich. „Durch das manuelle Handling kam es immer wieder zu Kratzern auf den empfindlichen Oberflächen“, sagt Grünloh. Heute übernimmt ein einzelner Mitarbeiter diese Aufgabe mithilfe des Lightlift 45kg mit einer Sondertraverse zum Heben langer Bleche.
Angebracht ist der Schlauchheber am Timlift Kransystem. Durch den Schwenkbereich von 270° können mit einem Gerät sogar zwei baugleiche Abkantbänke bedient werden.
Neue Lösung für die Montage von Türluftschleiern
Seit Dezember 2025 setzt Kampmann eine neue Vakuum-Hebe-Schwenktraverse für das Handling von Türluftschleiern ein. Die großformatigen Lüftungsgeräte, die häufig über den Eingängen von Einkaufszentren, Bürogebäuden oder Industriehallen installiert werden, sind aufgrund ihrer Abmessungen und ihres Gewichts von bis zu rund 250kg besonders anspruchsvoll in der Montage. „Ausgelegt ist die neue Hebelösung bewusst für Lasten bis zu 270kg, um auch zukünftige Baugrößen sicher abdecken zu können“, sagt Grünloh. Die Hebetraverse kommt an einem vorhandenen Deckenkran zum Einsatz, wobei die Vakuumerzeugung direkt in der Traverse integriert ist. Über verstellbare Saugplatten lassen sich unterschiedliche Gerätegrößen sicher aufnehmen.
Vernim beschreibt die zentrale Anforderung bei der neuen Hebe-Schwenktraverse: „Die Geräte werden während der Montage nicht nur angehoben, sondern auch kontrolliert gedreht und aufgestellt.“ Dafür hat die Traverse eine integrierte Schwenkfunktion, die über einen elektrischen Zylinder realisiert wird. Auf diese Weise können die Türluftschleier zunächst waagerecht aufgenommen, im angehobenen Zustand in eine Hochkantposition geschwenkt und anschließend für weitere Montageschritte sicher abgestellt werden. Nach Abschluss der Montage werden sie erneut aufgenommen, in die horizontale Lage zurückgeschwenkt und auf einer Rollenbahn zur Verpackung oder Bänderung abgesetzt. „Damit ersetzt die neue Lösung nicht nur das bisherige Umsetzen vom Montagetisch zur Rollenbahn, sondern erweitert den Prozess um eine ergonomische Unterstützung während vorgelagerter Montageschritte“, so Vernim. Das reduziert körperliche Belastungen, erhöht die Prozesssicherheit und ermöglicht ein präzises Positionieren der schweren und sperrigen Baugruppen während der Montage.
„Der Schlauchheber macht den Prozess nicht zwingend schneller als die manuelle Handhabung, aber deutlich ergonomischer und sicherer“, erläutert Grünloh. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass in den Einsatzbereichen der Schlauchheber die Hebeaufgaben von nur einer Person übernommen werden können.















