
Seinen Ursprung hat das System in den 1990er-Jahren, als es gezielt für die Marmeladenproduktion entwickelt wurde, um Glasverpackungen formatunabhängig, füllstandsunabhängig und mit variablen Zwischenräumen effizient bewegen zu können. Diese Anpassungsfähigkeit ist bis heute das zentrale Merkmal des Systems und wurde seither für zahlreiche weitere Anwendungsbereiche in der Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie adaptiert. Die technische Weiterentwicklung über drei Jahrzehnte hat das Grundprinzip nicht verändert, aber in Sensorik, Steuerung und Schnittstellenkompatibilität erheblich verfeinert – sodass das System heute nahtlos in moderne Robotersteuerungen integriert werden kann.

Strömungsventile aktivieren Vakuum nur punktuell
Das Funktionsprinzip des UniGrippers basiert auf einer integrierten intelligenten Strömungsventiltechnik: Das Vakuum wird ausschließlich an den Stellen aktiviert, an denen sich tatsächlich ein Objekt befindet. Lücken in der Lage oder nicht korrekt platzierte Produkteinheiten beeinträchtigen den Greifvorgang nicht – das System reagiert auf den tatsächlichen Zustand der Lage, nicht auf eine vorprogrammierte Anordnung. In Kombination mit einer übergeordneten Vakuum- und Steuerungstechnik passt sich das System automatisch an wechselnde Produktformen und Verpackungsarten an.
„Damit lassen sich verschiedenste Artikel mit nur einem Greifer handhaben – ohne Umrüsten“, erklärt Marcel Schwekendiek, Geschäftsführer von Rivatec. Gegenüber Systemen mit starren Rasterplatten bietet das einen messbaren Vorteil: Da nur die tatsächlich benötigten Vakuumzonen aktiv sind, sinkt der Energieverbrauch und damit die Betriebskosten. Eingesetzt wird die Technologie insbesondere beim Depalettieren von Glas- und Kunststoffverpackungen, Konservendosen oder Trays – etwa in der Getränke- und Konservenindustrie.
Ein weiteres Merkmal ist die Eignung für anspruchsvolle Umgebungen: Da der UniGripper druckluftbetrieben mit Venturidüsen arbeitet, ist er auch für Atex-Zonen geeignet und kann in sensitiven oder explosionsgefährdeten Produktionsbereichen eingesetzt werden. Das Druckluftprinzip macht elektrische Antriebe im Greifer selbst überflüssig, was den konstruktiven Aufwand für eine Atex-konforme Ausführung erheblich reduziert. Darüber hinaus eignet sich das System für beengte Einbauräume, wo andere Greifersysteme konstruktionsbedingt nicht mehr installierbar sind. Warum Unternehmen mit Connected Engineering schneller, sicherer und wettbewerbsfähiger werden ‣ weiterlesen
Von Insellösungen zum vernetzten Engineering-Ökosystem
Pick&Place mit Lagetoleranz und integrierter Sensorik
Der UniGripper ist für anspruchsvolle Pick&Place-Aufgaben in automatisierten Prozessen ausgelegt. Selbst leicht verschobene oder schräg stehende Produkte werden durch ein um etwa 50mm vergrößertes Greifmaß zuverlässig erfasst. Ein integrierter Sensor erkennt die Greifposition und gibt das Signal für den nächsten Takt, sobald der Greifvorgang abgeschlossen ist – ohne zusätzliche Wartezeiten zwischen den Zyklen.
Das System ermöglicht das gleichzeitige Greifen ganzer Gebinde sowie mehrerer oder gemischter Lagen, was Palettier- und Depalettierprozesse erheblich beschleunigt und die Zykluszeiten deutlich reduziert. Die intelligente Sensorik passt sich zudem automatisch an unterschiedliche Produkthöhen und Lagevarianten an, ohne dass eine manuelle Nachjustierung erforderlich ist. Zur Schonung empfindlicher Produkte kommen weiche Saugflächen zum Einsatz, die den direkten Kontakt minimieren und Kratzer oder Abrieb verhindern. Optional können mechanische Klemmungen ergänzt werden, die ein Verrutschen oder Kippen der Produkte während des Transports unterbinden und die Prozesssicherheit weiter erhöhen.
Das Schnellwechselsystem erlaubt den Austausch der Saugplatte in wenigen Minuten – vollständig werkzeuglos und ohne Spezialkenntnisse. Praxiswerte belegen eine Reduktion der Rüstzeiten um mehr als 50 Prozent. Der UniGripper lässt sich in bestehende Roboter- und Portalsysteme integrieren und kann neben Produkten auch Paletten und Zwischenlagen handhaben. Das macht ihn besonders geeignet für Anwendungen mit Mischpaletten und häufig wechselnden Verpackungseinheiten, bei denen die Flexibilität des Greifersystems direkt auf die Durchsatzleistung einzahlt.
Individuelle Projektierung statt Katalogware
„Wir liefern keine Standardlösung von der Stange“, so Schwekendiek. „Unsere Stärke liegt in der individuellen Projektierung auf der Basis der vorhandenen Technologie – ganz gleich, wie komplex oder wechselhaft das Portfolio beim Kunden ist.“ Rivatec begleitet den Kunden von der Bedarfsanalyse über die Konzeption bis zur finalen Integration. Dabei steht von Anfang an die konkrete Anwendung im Mittelpunkt, nicht ein vorgegebenes Produktprogramm. Individuelle Lösungen werden ab einer Losgröße von 1 realisiert – ein Ansatz, der insbesondere für spezialisierte Betriebe mit kleinen Stückzahlen relevant ist.

















