Neugart setzt konsequent auf den Faktor Mensch
Aktives Zuhören für passende Getriebe
Was können Chips, Bits und Algorithmen noch nicht? Im Maschinenbau gibt es auf diese Frage mindestens zwei Antworten: Rein digitale Technologien treiben weiterhin keine einzige Maschine an. Und sie lösen bisher auch keine individuellen Probleme. Für das eine braucht es leistungsfähige Mechanik, für das andere echte Menschen. Der Getriebehersteller Neugart setzt deshalb bewusst auf beide Faktoren.
 Die im JNOV Tech 
CMR eingesetzten Neugart 
Planetengetriebe
Die im JNOV Tech CMR eingesetzten Neugart PlanetengetriebeBild: Neugart GmbH

Die Digitalisierung schafft auch im Maschinenbau immer neue Möglichkeiten. Das bestätigt nicht zuletzt der Standard- und Sonderpräzisionsgetriebehersteller Neugart mit seinem ausgefeilten Getriebebaukasten, der theoretisch über 2,5 Millionen Kombinationen bereithält. Angesichts dieser Fülle wird schnell klar, dass ein zielführender Auswahl- und Konfigurationsprozess nicht mehr manuell möglich ist. Vielmehr zeigen heute intelligente Algorithmen und smarte Tools den Weg zur besten Lösung. Damit lässt sich in wenigen Minuten eine neue Getriebe-Variante erstellen und die dazu notwendige Dokumentation erzeugen. Neugart unterstützt die Suche nach dem passenden anwendungsspezifischen Planetengetriebe deshalb durch leistungsstarke und intuitiv bedienbare Softwaretools. Aber eben nicht nur: Eine intensive persönliche Beratung ist auf dem Weg zur geeigneten Antriebslösung mindestens ebenso wichtig und in den allermeisten Fällen sogar unverzichtbar.

 Planetengetriebe von Neugart schaffen die Voraussetzung für die hohe Belastbarkeit des Transportsystems des Robotik-Startups JNOV Tech.
Planetengetriebe von Neugart schaffen die Voraussetzung für die hohe Belastbarkeit des Transportsystems des Robotik-Startups JNOV Tech.Bild: Neugart GmbH

Sonderlösung für Robotik-Startup

Ein aktuelles Anwendungsbeispiel zeigt, was das in der Praxis bedeutet: Die Neuentwicklung CMR (Collaborative Mobile Robot) des französischen Robotik-Start-ups JNOV Tech kombiniert jeweils mehrere mobile Lastenroboter zu einem flexiblen Transportsystem. Mehrere Tonnen Ladegewicht werden dabei von nur zwei kleinen Antriebsrädern bewegt. Die Voraussetzung für diese hohe Belastbarkeit schaffen nicht zuletzt anwendungsspezifische Planetengetriebe von Neugart. Diese müssen – wie auch bei anderen Fahrerlosen Transportfahrzeugen (Automated Guided Vehicles, AGVs) – ganz eigene, hohe Anforderungen an Konstruktion und Mechanik erfüllen. Mit der Baureihe NGV hat Neugart ein Planetengetriebemodell im Portfolio, das mit seinen Produktmerkmalen ganz gezielt auf den Einsatz in AGVs zugeschnitten ist. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Lager: Sie sind so ausgeführt und platziert, dass sie am Abtrieb hohe Radiallasten erlauben. So stand das NGV zunächst auch als mögliche Lösung im Raum, als JNOV Tech auf der Suche nach einem geeigneten Getriebe Anfang 2020 erstmals auf Neugart zukam. Mit wenigen Klicks waren dank des Neugart-Konfigurationstools Tec Data Finder alle relevanten technischen Daten und 3D-Modelle des NGV zur Hand. Erste Produktmuster waren wenige Wochen später verfügbar und für Praxisversuche einsatzbereit. Dabei stellte sich heraus, dass die besonderen technischen Ansprüche von JNOV Tech in Bezug auf eine sehr kompakte Bauform mit dem NGV-Standardmodell nicht hundertprozentig zu erfüllen waren. Gefragt war also eine speziell auf das Layout der CMRs zugeschnittene Modifizierung des NGV-Getriebes. Die Verzahnungsteile des Standardgetriebes NGV wurden beibehalten und mussten nicht neu ausgelegt werden. Somit waren die Anpassungen schnell und kosteneffizient umzusetzen. In nur elf Monaten hat JNOV Tech das CMR zur Marktreife gebracht. Zu dieser sehr kurzen Entwicklungszeit trugen aber nicht nur das technische Angebot und die Lieferzuverlässigkeit von Neugart bei, sondern insbesondere auch die enge Zusammenarbeit der Konstrukteure mit den Experten der französischen Niederlassung Neugart France S.A.S. Deren Job bestand, noch vor der Erarbeitung entsprechender Lösungsansätze, zuallererst einmal im Zuhören. So wurde die Grundlage für den späteren Erfolg schon in der allerersten Planungsphase gelegt.

Zuhören will gelernt sein

Wie nicht zuletzt dieses Beispiel beweist, setzt die Entwicklung und Realisierung solcher komplexen Lösungen nicht nur technisches Know-how voraus, sondern auch einen engen Dialog zwischen Hersteller und Kunde. Die Rolle des Zuhörers wird dabei oft unterschätzt: Denn wer zuhört, tritt selbst in dem Moment automatisch in den Hintergrund, er lässt sich auf den Gegenüber und sein Problem ein und signalisiert: Ich nehme dich ernst.

Das bedeutet aber nicht, dass ein guter Zuhörer passiv ist, im Gegenteil: „Zuhören können ist der halbe Erfolg“, wusste der damalige US-Präsident Calvin Coolidge schon in den 1920er-Jahren. Nicht umsonst spricht man vom „aktiven Zuhören“ und meint damit, dass sich viele wertvolle Informationen nur als wirklich interessierter Zuhörer – und gegebenenfalls durch entsprechende Nachfragen – überhaupt gewinnen lassen.

Diese Eigenschaft zu schulen und im Rahmen von Messe- und Vertriebstrainings weiterzuentwickeln, ist das Eine. Viel mehr ins Gewicht fällt aber, dass bei Neugart eine Kultur des Respekts und des Zuhörens gegenüber allen Kollegen gelebt wird. Nur so konnte das Familienunternehmen seit 1928 immer wieder neue Impulse aufnehmen und sich von innen heraus modernisieren – vom ursprünglichen Uhrenhersteller hin zum heutigen Anbieter von Präzisionsgetrieben.

Näher am Kunden

Auch international entwickelt Neugart diese Kultur des respektvollen Zuhörens weiter und hat z.B. Anfang 2022 die Vertriebsstruktur mit einer Doppelspitze neu aufgestellt: Simon Zeller als neuer Vertriebsleiter und Clemens Maurer als Leiter der neu geschaffenen Abteilung Global Sales Development sorgen seitdem mit ihren Teams für noch mehr Nähe zu den Neugart-Kunden weltweit. Swen Herrmann, der den Vertrieb seit 2018 geleitet hatte, unterstützt als Geschäftsleiter Business Development das Management von Neugart am Standort Kippenheim. Der konsequente Ausbau des internationalen Vertriebsnetzes ist eine Reaktion auf die immer komplexeren Anforderungen im weltweiten Maschinen- und Anlagenbau. Ziel ist eine noch engmaschigere Kundenbetreuung. Diese bedeutet mehr Flexibilität bei schnellstmöglicher Reaktionsgeschwindigkeit, was sich gerade bei komplexen Aufgabenstellungen auszahlt. Kurze Wege und eine leistungsstarke Supply Chain ermöglichen eine optimale Lieferperformance.

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