
Prof. Jürgen Fleischer (l.), neuer Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP), will die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie stärken. Fleischer, der Prof. Michael Zäh (r.) vom IWB München turnusgemäß ablöste, hat vor seiner Tätigkeit an der Universität Karlsruhe elf Jahre lang in der Industrie gearbeitet: „Wir verfügen nicht nur über geballtes wissenschaftliches Knowhow über das gesamte Spektrum der Fertigungstechnik, sondern bringen auch viel Industrieerfahrung mit ein. Wir kennen die Herausforderungen produzierender Unternehmen – und wir können und wollen ihnen helfen.“
In der WGP haben sich über 70 führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammengeschlossen. Im Verbund können zukunftsfähige Technologien entwickelt und wettbewerbsfähige Produktionssysteme konzipiert werden. Die insgesamt 46 international Universitäts- und Fraunhofer-Institute der Mitglieder verfügen in ihren jeweiligen Themenfeldern über Labore auf höchstem technischem Stand, die sich als reale Experimentierfelder nutzen lassen. So können neue Ansätze etwa zu Digitalisierung, Automation oder Nachhaltigkeit erarbeitet werden. Warum Unternehmen mit Connected Engineering schneller, sicherer und wettbewerbsfähiger werden ‣ weiterlesen
Von Insellösungen zum vernetzten Engineering-Ökosystem
Insbesondere künstliche Intelligenz wird die Produktion radikal verändern. „Doch gerade kleine und mittelständische Unternehmen – das Rückgrat unseres Wohlstands – haben oft nicht die notwendigen personellen und finanziellen Mittel für die Transformation“, gibt der Karlsruher Wissenschaftler zu bedenken. Die WGP hat daher das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt ProKI im Januar 2025 unter ihrem Dach verstetigt und bietet seither Workshops, Beratungen, Seminare und Demonstratoren an – eine niedrigschwellige Unterstützung, die allen zugutekommt.
Fleischer ist seit über zehn Jahren auch Advisory Professor an der Tongji Universität in Shanghai, wo er ein Technologiezentrum für ‚Advanced Manufacturing‘ aufgebaut hat. „China ist und bleibt ein wichtiger Markt für uns“, betont er. „Früher war ich unter anderem dort, um deutsche Unternehmen zu unterstützen. Heute bin ich dort, um von den Chinesen zu lernen, wie man in einer derart erstaunlichen Geschwindigkeit und Effizienz den Maschinen- und Anlagenbau vorantreiben kann. Das müssen wir uns abgucken, wenn wir nicht auf dem Weltmarkt ins Hintertreffen geraten wollen.“
Ein schnellerer Transfer innovativer Lösungen in die unternehmerische Praxis ist seit jeher ein Anliegen der Professorinnen und Professoren, zumal sich die neuen Technologien rasant weiterentwickeln. So hat Fleischer vor zehn Jahren die WGP-Produktionsakademie ins Leben gerufen – ein modulares Weiterbildungsangebot für Praktiker, die sich auf den neuesten Stand der Technik bringen wollen. Die Module können individuell zu einem maßgeschneiderten Angebot zusammengestellt werden. „Produzierende Unternehmen, die ganz vorne mithalten wollen, müssen innovative Fertigungsverfahren nutzen, um die immensen Potenziale der neuen Technologien zu nutzen“, weiß Jürgen Fleischer. „Wer sich heute nicht weiterentwickelt, ist morgen nicht mehr wettbewerbsfähig.“

















