Mit kleinen Schritten zum Erfolg

 Die automatische Überwachung der Füllstände der Fässer mit den für die Produktion nötigen Ölen und Emulsionen war für Formotion der erste Schritt in die Digitalisierung
Die automatische Überwachung der Füllstände der Fässer mit den für die Produktion nötigen Ölen und Emulsionen war für Formotion der erste Schritt in die DigitalisierungBild: Hexagon AB

Formotion ist spezialisiert auf Thermoformwerkzeuge zur Umformung von Kunststofffolien. So bringen die Produkte des Unternehmens etwa Verpackungen von Zahnbürsten in Form. Obwohl das kleine Unternehmen im Vergleich zu großen Industriekonzernen finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen konnte, hat es bemerkenswerte Schritte in Richtung Digitalisierung unternommen: Um hohe Investitionskosten zu vermeiden, wurden nicht direkt ganze Maschinen vernetzt oder automatisiert, sondern gezielt Teilprozesse digitalisiert und dadurch wichtige Workflows optimiert.

Mit einem Augenzwickern erklärt Geschäftsführer Thilo Krumm, warum der Betrieb zunächst einzelne Maschinen und Behälter mit Sensoren versehen hat: „Gemäß dem Motto ‚Alles was nervt, bekommt einen Sensor‘, erfassten wir zuerst alle Füllstände oder Störungen.“ Mittlerweile wurde ein digitaler Zwilling der Werkshalle erstellt: Auf einem Monitor können die Mitarbeiter nun in einem übersichtlichen Schauplan Livezustände der Maschinen überwachen. Meldungen auf Mobilgeräte zeigen sofort an, wenn Wartungsarbeiten oder das Eingreifen eines Mitarbeiters nötig werden. So läuft die Produktion deutlich störungsfreier.

Bei Formotion werden zudem ganze Arbeitsprozesse automatisiert: Bestes Beispiel ist hier die automatische Überwachung der Füllstände der Fässer in denen für die Produktion nötige Öle und Emulsionen gelagert werden. Im Tagesgeschäft wurde gerne übersehen, wenn der Tankstand zur Neige ging. Seit dieser mittels Sensoren überwacht wird, entstehen keine Engpässe mehr durch fehlende Schmierstoffe. Das System gibt eine Meldung aus, sobald der Füllstand auf 20 Prozent gesunken ist und löst sogar automatisch eine Nachbestellung per Email aus. So erfährt der Lieferant rechtzeitig von der Bestellung und kann seinerseits ohne zu kurzfristige Lieferzeiten den Auftrag stressfrei bearbeiten. In der Praxis fährt dann auch einmal überraschend ein LKW vor, ohne dass einer der Mitarbeiter Notiz von dem geringen Füllstand genommen hat.

 Die CAD/CAE/CAM-Software Visi von Hexagon unterstützt alle Prozessabschnitte 
im Werkzeug- und Formenbau - von der Modellanalyse bis hin zur Fertigung.
Die CAD/CAE/CAM-Software Visi von Hexagon unterstützt alle Prozessabschnitte im Werkzeug- und Formenbau – von der Modellanalyse bis hin zur Fertigung. Bild: Hexagon AB

Wertschöpfung mit CAD/CAE/CAM

Die Prozessoptimierung hat sich bei Formotion vor allem um den eigentlichen Kernprozess der Zerspanung abgespielt. Dabei wurde versucht, möglichst viele Abläufe, die hier eine Rolle spielen, zu automatisieren und zu digitalisieren. Angefangen bei lästigen Hilfsarbeiten, wie eben Schmierstoffe nachfüllen. So hat es der Formenbauer geschafft, relativ geräuschlos von Nebenprozessen an seiner Kernwertschöpfung arbeiten zu können. Und bei dieser kommt vor allem Hexagons CAD/CAE/CAM-Software Visi zum Einsatz.

Diese unterstützt alle Prozessabschnitte im Werkzeug- und Formenbau – von der Modellanalyse bis hin zur Fertigung. Das komplett durchgängige System deckt alle Schritte der Prozesskette ab: Vom Import von Fremddaten und der Umformsimulation zur Machbarkeitsanalyse über die Werkzeugkonstruktion bis hin zur technischen Dokumentation und der Erstellung von Stücklisten.

Um die Herstellung seiner Werkzeuge, die meist aus Aluminium bestehen, zu optimieren, hat Formotion bereits 2012 Visi eingeführt. So konnte Hexagon dem Betrieb dabei helfen, innerbetrieblich klare Strukturen zu schaffen, schneller reagieren und kosteneffizienter arbeiten zu können.

Daten einheitlich strukturiert

Vor der Einführung hatte der Mittelständler vor allem Probleme mit den vielen Zeichnungen in Papierform. Schlechte Datenqualität und damit verbundene schlechte Ergebnisse auf den Maschinen bereiteten Schwierigkeiten. So war es ein Anliegen, eine Plattform zu bekommen, die durchgängig vom CAD-System über das CAM-System bis zum Endprodukt Qualität und Durchlauf optimiert und besser gestaltet. Mit Visi war Formotion endlich in der Lage, eine einheitliche Dateistruktur aufzubauen. Von der Konstruktion über das Fräsen bis hin zum Zusammenbau kann das Unternehmen nun alles in einer Plattform und in einem Dateiformat darstellen.

„Visi passt gut zu uns, weil wir damit unsere Idee von der Fertigung exakt umsetzen können und von der Software unterstützt werden, die Dinge klar durch die Fertigung durch zu bekommen“, meint Krumm. So ist es möglich die hohen Kundenanforderungen, die an das Unternehmen gestellt werden, effizient umzusetzen.

Hexagons Lösung ist bei Formotion mittlerweile voll integriert. Durchgängig arbeiten und so für die Kunden einen Mehrwert bieten, wäre ohne das System heute wohl schwer vorstellbar. Aktuell wird es auf jeweils drei CAD- und CAM-Arbeitsplätzen eingesetzt. In der Montage befindet sich ein Viewer-Arbeitsplatz. Die Plattform kommt im gesamten Unternehmen zum Einsatz und das Team arbeitet dadurch wesentlich effizienter zusammen.

„Wir können Fremddaten genauso gut verarbeiten, als wären es unsere eigenen. Hexagon bietet zudem einen guten Support: Für jede Anwendung, die wir haben, steht der richtige Experte beiseite – fürs Fräsen, für die Konstruktion, für das Datenmanagement. Wir können darauf immer zurückgreifen und darauf ist auch immer Verlass“, fasst Betriebsleiter Philipp Siegemund zusammen.

Mit Kreativität in Richtung Industrie 4.0

Auch in Zukunft will der Werkzeug- und Formenbauer die Digitalisierung seine Betriebes weiter vorantreiben. Selbst wenn es für den Mittelstand nach wie vor schwieriger ist, diesen Weg zu bestreiten. Während es für große Unternehmen etablierte Modelle und meist kostspielige Lösungen gibt, ist bei kleineren Unternehmen Kreativität gefragt. Formotion hat in der nächsten Zeit noch einiges vor: Maschinen modernisieren, Rüstzeiten minimieren, Rüsten mit Robotern sowie die Einführung eines Palettenwechsel-Systems.

Auch in Hinblick auf den Fachkräftemangel sind diese Maßnahmen wichtig. Man muss seine Leute an die komplexen Aufgaben setzen, die Roboter nicht erledigen können – und diese Aufgaben sind bei Formotion übrigens häufig mit Visi verbunden: Konstruktion und Programmierung beispielsweise. Rüsten und Späne wegräumen dagegen will man in Zukunft immer mehr automatisch erledigen lassen.

Formotions Rezept um als kleines Unternehmen in Sachen Industrie 4.0 voranzukommen, ist dabei, aus vorhandenen Standardlösungen etwas Eigenes zu kreieren, das auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Grundlegend versucht das Unternehmen dabei, die auf dem Markt angebotenen Lösungen zu hinterfragen und die Herangehensweise an die Abläufe auch mal anders zu denken. Und wenn auf dem Markt keine passende Lösung zu finden ist, entwickelt der Werkzeug- und Formenbauer eben eine eigene Idee und arbeitet daran, diese umzusetzen.