
Die industrielle Wertschöpfung wandelt sich: Mit Industrial AI beginnt eine neue Phase für die Industrie. Auf der SPS-Messe zeigte der ZVEI, wie Datenräume und -standards die Grundlage für eine neue Phase der industriellen Produktion legen. „Industrial AI ermöglicht neue Formen der Wertschöpfung, von selbstoptimierenden Anlagen bis zu Agentic-AI-Ökosystemen, die eigenständig Daten auswerten und Entscheidungen vorbereiten“, sagt Rainer Brehm, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Automation. „Das eröffnet enorme Potenziale für Effizienz, Qualität und Geschwindigkeit in der Automatisierung.“
Eine aktuelle ZVEI-Umfrage zeigt, wie groß die Dynamik in diesem Umbruchprozess bereits ist. Zwei Drittel der befragten Unternehmen, die bereits industrielle KI-Anwendungen nutzen, erwarten demnach einen weiteren positiven Einfluss auf die eigene Wettbewerbsposition. Um dies zu erreichen, will ein Viertel dieser Unternehmen in den kommenden fünf Jahren 20% oder mehr ihrer Gesamtinvestitionen in industrielle KI-Anwendungen fließen lassen. Warum Unternehmen mit Connected Engineering schneller, sicherer und wettbewerbsfähiger werden ‣ weiterlesen
Von Insellösungen zum vernetzten Engineering-Ökosystem
Die Umfrage offenbart allerdings auch Mängel bei den Rahmenbedingungen: Fast jedes zweite Unternehmen hält bestehende EU-Regeln wie AI Act, Cyber Resilience Act und Data Act für ein so enges Korsett, dass es Investitionen eher im EU-Ausland und nicht in Deutschland sieht. Der ZVEI fordert, industrielle KI vollständig aus dem AI Act herauszunehmen. Entscheidend für die Implementierung seien darüber hinaus insbesondere eine leistungsfähige Infrastruktur und leistungsfähige Datenökosysteme, ergänzt Gunther Koschnick, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Automation: „Weltweit anwendbare, sichere Datenstandards sind ein Schlüsselelement für die erfolgreiche Nutzung von Industriellen KI-Anwendungen.“
Die konjunkturelle Lage der deutschen Automationsindustrie bleibt 2025 indes gemischt. Nach dem schwachen Jahr 2024 entwickelten sich zwischen Januar und September 2025 sowohl Umsatz (+2,2%) als auch Auftragseingänge (+4,8%) wieder positiv, während die reale Produktion noch um 1,6% fiel (2024: -13,0%). Durch Unsicherheiten im internationalen Handel stehen vor allem die außereuropäischen Exportmärkte weiterhin unter Druck. Neue US-Zölle auf Stahlimporte belasteten das Verarbeitende Gewerbe zuletzt zusätzlich. Dank des Exports in die EU (+7,8%) gelang es den Unternehmen bisher jedoch, die deutlichen Verluste bei den Ausfuhren nach China (-8,0%) und in die USA (-6,9%) zumindest zu kompensieren.
Ebenfalls dämpfend für die Automation wirkt die weiterhin schwache Binnenkonjunktur in wichtigen Absatzbranchen wie dem Maschinenbau und der Autoindustrie. Für die Elektro- und Digitalindustrie blickt der ZVEI jedoch vorsichtig optimistisch auf das kommende Jahr und rechnet für die Automation mit einem moderaten Wachstum.

















